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Wie wird man Wappentier?

Die Fazenda Pantanal hiess schon immer so. Doch als wir die Fazenda gekauft haben, überlegten wir uns oft,  ob und wie wir sie umbenennen sollten. Die meisten Touristen-Fazendas haben einen Namen, der mit einem Tier oder Vogel in Zusammenhang gebracht werden kann. Daraus ergibt sich dann auch die Möglichkeit eines schönen Logos.

Nur ..... Fazenda Pantanal ist eigentlich der beste Name, den wir haben können. Er könnte nicht besser beschreiben, wo wir sind, nämlich im Herzen des Pantanals. Dazu gibt es unseres Wissens keine einzige Fazenda, die so heisst.

Aber wie soll das Logo der Fazenda Pantanal aussehen?

Die schönsten Vögel, die auffälligsten Tiere sind natürlich schon seit Jahren in Logos von diversen Fazendas und Organisationen. Aber wir wollten ja, wie unsere Fazenda, irgendwie speziell sein. Und jetzt kommt Branco ins Spiel.

Ich bin Branco zum ersten mal begegnet an einem Leilao – einer Viehauktion. Da standen in einem Gehege zwei Ochsen - einer ohne Horn und einer mit riesigen Hörnern. Alle Leute staunten, dass es ein solches Tier noch gibt, da heute das Zuchtziel ist, Vieh ohne Hörner zu züchten. Zudem: Branco als Ochse – d.h. kastriert – konnte ja sowieso nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden. Also bleibt nur noch eine Möglichkeit – der Schlachthof. So wurde Branco von einem Freund von mir als Schlachtobjekt gekauft. Die immensen Hörner beeindruckten mich jedoch über alle Massen. Ich vereinbarte mit dem Käufer, dass ich ihm Branco's Kopf abkaufe, um ihn ausstopfen zu lassen.

Am Tage darauf habe ich Branco meiner Frau Anne-Lyse vorgestellt. Sie machte ganz spontan klar, dass sie überhaupt keinen Ochsenkopf an irgendeiner Wand haben möchte. Und schon gar nicht den von Branco. Sie wollte Branco lebend. So haben wir unserem Bekannten den Schlachtpreis für 700 kg Lebendgewicht bezahlt...

Dem sicheren Tod entronnen, ist Branco zu uns auf die Chacara Anis gekommen. Was wir nicht gewusst haben, ist, dass Branco handzahm ist und dass er ein sinoelo ist. Sinoelos sind zahme Ochsen, die zum Führen von wilden Viehherden ausgebildet sind. Sie sind ruhig und gehorchen auf Befehle. Erst nachdem Branco zunächst einige Monate mit uns auf der Chácara Anis verweilte, entdeckten wir,  wie er zahm ist und wie man mit ihm sprechen kann. Dann ist er in zehn Tagesmärschen mit einer Viehherde zur Fazenda Pantanal marschiert – immer an der Spitze der Herde.

Branco - ein Ochse als Platzhirsch

Jetzt ist er auf der Fazenda – meist direkt beim Haus – quasi als stellvertretender Dono der Fazenda. Er begrüsst unsere Gäste und verabschiedet sie – nicht ohne um eine Schleckerei zu betteln. Wenn man ihn ruft, kommt er – manchmal majestätisch schreitend, manchmal galoppierend.

Branco markiert seinen Einflussbereich bereits bei der Ankunft. Er schreitet den Neuankömmlingen würdevoll aus dem entferntesten Winkel der Fazenda entgegen und nötigt ihnen den ihm gebührenden Respekt ab. Von diesem Augenblick an befindet sich der Besucher unter seiner Obhut. Die Begrüssung durch Branco ist ein Akt, dem niemand sich entziehen kann. Branco ist dabei nicht aufdringlich. Bis zum Tag der Abreise lässt er seine Gäste mit diskreter Distanz gewähren. Sieht er aber, wie das Gepäck für Fahr- oder Flugzeug bereitgestellt wird, so verabschiedet er sich ebenso würdevoll und stellt sich geübt für Erinnerungsfotos in Pose.

Branco ist der unbestrittene Herrscher der Fazenda, der Chef, der König und Gebieter. Alle Vierbeiner wissen das und verhalten sich dementsprechend. Ob Pferd, Kuh oder Hund – ein Blick von Branco, ein Wink mit seinem Gehörn - und der Betroffene weiss, wo's lang geht. Die klügeren Zweibeiner verhalten sich ebenso untertanig. Schliesslich zählt's in Brasilien zum indianischen Kulturerbe, dass Tiere durchaus Seele und Persönlichkeit haben - mit Würde, Stolz, Geltungsdrang und Harmoniebedürfnis wie beim Menschen. Es lebt sich leichter im Pantanal, wenn man das einfach mal so akzeptiert.

Letztes Jahr hatten wir unerwünschten Besuch auf der Fazenda – einen Landstreicher. Branco hat ihn herankommen sehen. Er hat bemerkt, dass der Mann eine Tasche bei sich hatte. Da es in der Tasche ja etwas zu essen hätte haben können, ist er auf den Landstreicher zu galoppiert – 700 kg im Galopp. Dies war zuviel für den Mann. Er hat rechtsumkehrt gemacht, ist auf den nächsten Haag zugerannt und hat sich mit einem Hechtsprung in Sicherheit gebracht. Er ist nie mehr zurückgekehrt.....

Caspar Burn

Contacts: c.burn@fazenda-pantanal.ch Letzte Änderung: 04/08/2004 --- Letzter Update: 26/01/2005